Was wäre Weimar ohne Ginkgo?

Im Jahr 1813 pflanzte der Hofgärtner Sckell hinter der Hochschule für Musik "Franz Liszt", im Osten von Goethes Garten, einen Ginkgo-Baum. Dem Exoten wird in der Heilkunde eine verjüngende Wirkung zugesprochen. Zwei Jahre nachdem der Baum gepflanzt wurde schrieb Johann Wolfgang von Goethe dieses Gedicht. Er widmete es seiner späteren Liebe, Marianne von Willemer und  stellte das Ginkgoblatt aufgrund dessen Form als Sinnbild der Freundschaft dar. Dieses Gedicht trug wesentlich zum Bekanntheitsgrad und somit zur Verbreitung des Ginkgo-Baums in Deutschland bei.

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt ?
Sind es zwey, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt ?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin ?

 

Ginkgo soll das Gedächtnis verbessern und die Durchblutung fördern. Ob Extrakte aus Ginkgo Alzheimer vorbeugen und gegen Schwindel oder Tinnitus helfen, ist jedoch nicht ganz geklärt.

Bereits vor 250 Millionen Jahren gab es Ginkgo. Er überlebte die Eiszeiten, zwar nicht in Europa, doch in China und Japan, und gilt deshalb als "lebendes Fossil". Ginkgo ist eine Pflanze voller Besonderheiten: Er sieht aus wie ein Laubbaum, gehört botanisch gesehen jedoch zu den Nadelhölzern. Er kann über 1000 Jahre alt werden und ist äußerst widerstandsfähig. Das erste Grün, das nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945 austrieb, stammte angeblich von einem Ginkgobaum.

Seit Jahrtausenden ist Ginkgo in China und Japan als Tempelbaum und Heilpflanze bekannt. Seit dem 18. Jahrhundert wächst das Fossil wieder in Europa – angepflanzt in Gärten und Parks. Goethe schrieb ein Gedicht über Ginkgo, Künstler nahmen die fächerförmigen Blätter als Vorlage für Schmuckstücke. In Weimar gibt es ein ganzes Museum, das sich dieser Pflanze widmet.

Wie sieht Ginkgo aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Ginkgo (Ginkgo biloba) ist ein Baum, der bis zu 30 Meter hoch wird. Die Blätter sehen fächerförmig aus und sind meist gelappt. Sie werden von gabeligen Blattnerven durchzogen. In den Blattachseln männlicher Bäume sitzen kätzchenförmige Blüten. Weibliche Bäume tragen die Samenanlagen. Später im Jahr bilden sich pflaumengroße, gelbliche Samen aus. Ginkgo gehört zu den Ginkgogewächsen (Ginkgoaceae) und blüht von April bis Mai.
 Beheimatet ist er in China und Japan, in Europa kommt er angepflanzt in Parks und Gärten vor.

 

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft Ginkgo?

Für die Wirkungen von Ginkgo ist wohl das Zusammenwirken von Flavonoiden, Ginkgoliden und Terpenen verantwortlich. Dieses Substanzgemisch weist zumindest in Laborversuchen zahlreiche Effekte auf: Es schützt Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen und unterstützt die Funktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn, die Gedächtnis und Lernen beeinflussen. Zudem greifen die Stoffe hemmend in die Blutgerinnung ein, verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und fangen freie Radikale ein.

Aus diesen Gründen vermuten Forscher, dass Ginkgo hilft, wenn die geistige Fitness nachlässt, wenn man sich schlecht konzentrieren kann oder das Lernen schwerfällt. Auch Krankheiten, bei denen Durchblutungsstörungen eine Rolle spielen, könnte Ginkgo positiv beeinflussen – zum Beispiel Schwindel, Ohrensausen (Tinnitus) und die Schaufensterkrankheit (PAVK).

Da Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, lässt sich derzeit nicht sicher sagen, ob Ginkgo tatsächlich das Gedächtnis beeinflusst. In manchen Untersuchungen kam heraus, dass Zubereitungen aus den Blättern eine Alzheimer-Demenz verlangsamen können. Andere kamen zu dem Schluss, dass die Gedächtnisleistung nicht verbessert wird – zumindest nicht bei Gesunden. Auch ob Ginkgo bei Tinnitus oder Schwindel helfen kann, ist noch nicht sicher bewiesen, da sich die Studien ebenfalls widersprechen.

Einig sind sich Wissenschaftler dagegen in puncto Zubereitungsform: Aus einem Ginkgoblätter-Tee werden die wirksamen Stoffe nur unzureichend herausgelöst. Um eine Wirkung zu erzielen, müssen die aktiven Substanzen in Extrakten (Auszug aus der Pflanze) aufkonzentriert werden. Außerdem können im Tee sogenannte Ginkgolsäuren vorkommen, die als bedenklich gelten (siehe Hinweise).